Unser Gothenhaus

 

P1020152verkleinert.jpgDas heutige Gothenhaus wurde im Jahre 1928 für den jüdischen Würzburger Apotheker Max Mandelbaum (1888-1984) erbaut. Mandelbaum war selbst korporiert, er gehörte seit seiner Studentenzeit der 1885 gegründeten schlagenden und farbentragenden jüdischen Verbindung Wirceburgia an. Er war außerdem Mitglied des Vorstands des Würzburger Apothekervereins und engagierte sich politisch in der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP).

Wie alle deutschen Juden wurde Mandelbaum ab 1933 Opfer der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten. Er emigrierte deshalb 1939 in die USA, wo er den Nachnamen Manders annahm. Seine Villa hatte er 1938 zwangsweise weit unter Wert an den mainfränkischen Gauleiter Otto Hellmuth (1896-1968) verkaufen müssen. Bei dem großen Luftangriff vom 16. März 1945, durch den Würzburg zu 80% zerstört wurde, blieb die Mandelbaum-Villa unversehrt, wurde aber als Folge des Zusammenbruchs Ende März 1945 ausgeplündert.

Als unmittelbar nach Kriegsende die Würzburger jüdische Gemeinde wiedererstand, diente das Haus als Unterkunft für jüdische Displaced Persons und, da die alte Würzburger Synagoge bei den Novemberpogromen des Jahres 1938 von den Nationalsozialisten zerstört worden war, auch als provisorisches religiöses Zentrum. 1951 wurde Max Mandelbaum die Villa durch die 1. Wiedergutmachungskammer zurückerstattet. Da sich dieser allerdings entschlossen hatte, in den USA zu bleiben, verkaufte er das Anwesen 1954 an unsere Verbindung, die die Villa 1955 beziehen konnte. Noch bis Ende der 1950er Jahre lebten jüdische Untermieter in Teilen des Verbindungshauses.

Von 2014 bis 2015 fanden größere Renovierungsarbeiten im Dachgeschoss des Hauses statt. Im Zuge der Bauarbeiten wurden zwei weitere Dachgauben auf der Rückseite des Hauses errichtet und die dort befindliche Hausmeisterwohnung in eine 4-Personen-WG umgebaut. Diese wurde zum Wintersemester 2015/16 erstmalig als solche vollständig vermietet.

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